Steptanz Spurensuche in den USA

Syd-O-Noo-York

Zurück von einer aufregenden Film- und Recherchereise: knapp drei Wochen zwischen New York und Los Angeles auf den Spuren von Syd O’Noo. (Und gefühlt ein Drittel der Zeit in Flugzeugen, Flughäfen oder am Steuer.) Ziel der Aktion war, große Steptänzerinnen und Steptänzer zu ihren Lehrern und Vorbildern zu befragen, Legenden des Steptanz nachzuspüren und Szenen für unser Bühnenstück zu drehen.

Maurice

Los ging’s mit „Starfaktor“: Interview Maurice Hines in einem Manhattaner Hotel. Ein enthusiastischer, charismatischer Gesprächspartner, der in seinen gut 70 Jahren Tänzerbiographie alles und jeden erlebt hat und weiß, wie man davon erzählt! Dann auf’s Land: die Gespräche mit Brenda Bufalino sind vielleicht die profundesten der ganzen Reise. Hier ist eine Frau, die zu jeder Frage nach der ehrlichsten Antwort sucht, sich Zeit nimmt, nachdenkt. Sie hat einen ungeheuren Erfahrungsschatz, aber vor allem einen neugierigen, engagierten und kreativen Blick nach vorne. Mit dem Erweitern der Grenzen des Steptanz ist diese Künstlerin noch nicht am Ende.

brenda

Dann geht die Reise in eine ganz andere Richtung: nach Kansas, zu den Anfängen von Sebastians Tanzkarriere. Die erste Tanzlehrerin, die Gastfamilie des Austauschjahres, alte Freunde, alles umrahmt von den endlosen Horizonten des mittleren Westens. Und fast nebenbei, als eine Gelegenheit, die sich bietet, ein Besuch bei Robert Reed. Was für ein bescheidener, großzügiger und kenntnisreicher Mann! Jemand, der sich immer noch in fast kindlichem Staunen vor der Größe dieser Steptanztradition verneigt, die sein Leben verändert hat und der gerade dadurch selbst inspiriert wie kein zweiter. Niemand kann zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass er wenige Wochen später an Herzversagen stirbt.

robert reed

Danach wird’s ruppig: der Flughafen von Dallas – eigentlich nur eine Zwischenlandung – ist wegen Sturms gesperrt. Leider sind wir da schon in der Luft. Dass man so durch Gewitter fliegen kann, kannten wir sonst nur vom Film und als wir nach Zwischenlandung und Auftanken im Nirgendwo doch endlich in Dallas landen, bleibt nur noch der Terminal als Nachtlager. Eine von vielen schlaflosen Nächten.

In LA treffen wir Rusty Frank, Miriam Nelson und Skip Cunningham, fotografieren die Sterne der Nicholas Brothers auf dem Walk of Fame und fahren dann weiter nach Las Vegas, wo bereits die Sonne aufgeht, als wir ankommen. Chazz Young wohnt hier und empfängt uns in seinem Studio. Und ein ebenfalls ungeplanter Höhepunkt unseres Trips: ein Besuch bei Prince Spencer von den Four Step Brothers. Prince ist so alt, er kann kaum noch laufen und für einen Moment haben wir Hemmungen, ihn überhaupt zu befragen, denn selbst das Erinnern strengt ihn an. Aber als klar wird, wie gern Prince gefragt wird, entstehen die tollsten Momente. Und nachdem viele der Interviewpartner für uns getanzt haben, dreht sich hier der Spieß um und Sebastian steppt für Prince, der es selbst nicht mehr kann.

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In New Orleans erleben wir den Spirit von Steptanz und Jazz auf einer Second Line Parade, fernab von allen Bourbon Streets und Touristen Hot Spots, bevor es auf weiteren skurrilen Umwegen zurück in den Big Apple geht. Hier steht der Dreh mehrerer Filmszenen an, die ohne Budget aber mit viel Hilfe von Freunden und Kollegen gelingen: Max Pollak und seine Frau Mary besetzen wichtige Rollen, Tamango dreht mit uns am Meer, in Brooklyn stellen sich uns Passanten in den Weg, weil sie eine Diebstahlszene für Realität halten… Noch mehr Interviews, eine Step-Session und jede Menge Straßenbilder — dann schlägt der Gong und wir sitzen schon wieder im Flugzeug. Diesmal zurück nach Berlin.

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